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Beiderwand-Bild

von Barbara Gottburg

Dieses Stickbild erhielt Thurid Pörksen Ende der neunziger Jahre von Frau Meyer in Saßnitz. Frau Meyer brachte von einer Reise aus Kopenhagen die Beiderwand-Stickvorlage mit. Sie begann mitten im Bild zu sticken und schaffte ein kleines Stückchen. In diesem angefangenem Zustand kam das Bild ins Zollhaus. Wir wussten, dass Barbara Gottburg eine erfahrene Stickerin ist und fragten sie, ob sie Lust habe, daran weiter zu sticken. Sie übernahm die Arbeit im Dezember 2009. Sie stickte bis zur Stickbilderausstellung im Februar 2011  47 460 Kreuzstiche, etwa die Hälfte des ganzen Bildes, und in den folgenden Jahren den Rest. Wir ließen die Arbeit rahmen, und sie wird im Zollhaus zur Freude aller Besucher dauernd besichtigt werden können. 

Präsentation der Beiderwand-Arbeit

20. Aug. 11 Uhr

Café Zollhaus  Norddeich 3  Rodenäs

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Buchdeckel

 

Ausstellung vom 24. Juli bis 18. September 2016

Mi  Do  Fr  Sa  So    14 – 18 Uhr

Zollhaus,  Norddeich 3,  Rodenäs

Eintritt frei

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Ausstellung

Helga Herzog

zeigt Beispiele aus ihrer Arbeit als Modedesignerin       und als Kostümbildnerin in 3 Jahrzehnten

16. März bis 25. Mai

verlängert bis 22. Juni

Eintritt frei
Die Ausstellung ist geöffnet Do Fr Sa So von 14 - 18 Uhr 

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Ausstellung der Schenkungen und Leihgaben,

 die wir für das Dorfarchiv

seit 2006 gesammelt haben.

Eröffnung Sonntag, den 24. Februar 2013 11 Uhr
Ende der Ausstellung am 17. März 2013
Die "wachsende Ausstellung" können Besucher durch Dinge, Dokumente, Fotos noch erweitern
geöffnet:  Fr Sa So von 14 - 18 Uhr
Eintritt frei

 

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Kunsttaschen-Taschenkunst

29. Juli bis 31. September

geöffnet Do Fr Sa So 14 - 18 Uhr

Eintritt frei

 

 

Jede Tasche sagt auch etwas über ihren Besitzer, bzw. in den meisten Fällen über ihre Besitzerin.Taschen vermitteln Sicherheit. Margaret Thatcher bezeichnete ihre Tasche als den einzigen sicheren Ort in Downing Street. Queen Elisabeth ist nie ohne Handtasche auf Fotos zu sehen.

 Etwa 95% der Frauen in entwickelten Ländern besitzen 2, 3, 5, 20 oder mehr Taschen. Hier hängen zwar  keine Kelly Bag (Grace Kelly) oder Birkin Bag (Jane Birkin) von Hermes oder die zur Zeit angesagteste und teuerste Tasche, die Louis Vuitton Tribute Patchwork Bag. Doch, aus unserem privaten Besitz entstand ein Fundus an bemerkenswerten Taschen, erweitert durch Taschen, die uns Bekannte und Freunde Für die Ausstellung geliehen haben. Insgesamt hängen hier 100 großartige Taschen.

 Und alle erzählen eine  eigene Geschichte.

 

 

Liehgabe von Inken Geertz
Leihgabe von Elke Nord
Leihgabe von Erika Petersen
Leihgabe von Barbara Smidt-Tychsen
Leihgabe von Margret Mewes
Leihgabe von Brigitte Stahnke
Leihgabe von Carola Thiessen
Leihgabe von Barbara Engelke
Leihgabe von Thurid Pörksen
Leihgabe von Anemone Gerstein

 

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Ausstellung

Gestickte Bilder

vom 17. Februar bis 3. April 2011

verlängert bis zum 25. April

geöffnet: Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag
von 15 bis 18 Uhr

Eröffnung am 13. Februar, 16 Uhr

Wer hat Bilder gestickt und leiht sie uns für eine wachsende Ausstellung, Beispiele siehe unten

Zollhaus, Norddeich 3, Rodenäs

Eintritt frei

 

 Gedanken zu der Ausstellung  „Gestickte Bilder“

"Wer stickt, spinnt nicht", formulierte Jean-Christophe Ammann.

 Es begann, als wir – Elke Nord und ich - irgendwann einige einfache kleine Stickbildchen für unser Archiv bekamen. Da ist die Idee einer Ausstellung von gestickten Bildern entstanden. Wir sahen plötzlich überall, auf Flohmärkten, in Trödelläden, im Genbrugcenter und in Sozialläden diese Bilder. Seit ca. zwei Jahren etwa haben wir gesammelt. Diese Bilder kosten meist nicht viel, stehen oft verloren, unbeachtet, abgestellt in den Ecken neben Blumenvasen, Möbeln und Büchern, das gerahmte Stickbild. Sie werden ausrangiert. Keiner will sie mehr haben. Sie hatten wohl ihre Zeit. Aber, wo immer wir darüber sprachen, erzählten die Leute uns Geschichten darüber. Entweder hatten sie selbst gestickt oder ihre Großmütter oder sie kannten jemanden, der ganz viel stickte, oder sie hatten ein gesticktes Bild als Geschenk bekommen. Sie schleppten uns zu Freunden und Freundinnen, um uns deren gestickte Kostbarkeiten zu zeigen. Aber es gab auch negative Reaktionen. Stickbilder – nein, bitte nicht, das ist der reine Kitsch. Das ist geschmacklos. Wer stickt denn heute noch?
 Warum haben Stickbilder einen so schlechten Ruf, warum werden sie so gnadenlos ausrangiert, fragten wir uns. Denn, je mehr wir uns mit den Bildern beschäftigten, desto mehr interessierten und begeisterten sie uns.
 Wir begannen zu recherchieren und stellten fest, dass das Sticken keineswegs eine gestrige Handarbeit ist. Bei Google finden sich unter dem Stichwort „Stickbilder selber machen“ 2.950 Eintragungen.
 Es werden jede Menge Stickvorlagen angeboten, meist ganze Stickpackungen, Vorlagen mit Rahmen Garnen und Nadeln. Dazu kommt eine Fülle von Handarbeitszeitschriften und –büchern, die Anregungen enthalten.
 Und, es werden in großer Zahl fertige, neue Stickbilder angeboten.
 Es gibt also einen nicht unerheblichen Markt sowohl für Stickbegeisterte heute als auch für Liebhaber von bereits fertig gestickten Bildern.
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Dass Stickbilder so wenig Wertschätzung erfahren, in der Kunst einen schlechten Ruf genießen, hängt sicher mit unserem traditionellen Kunstbegriff zusammen. In afrikanischen Ländern beispielsweise ist die Malerei nur eine neben vielen gleichrangigen weiteren Herstellungsweisen. Auf der letzten Dokumenta in Kassel konnte man sich davon überzeugen. In der Februarausgabe 2011 des Kunstmagazins ART ist eine Arbeit des anerkannten mexikanischen Künstlers Gabriel Salvador Cruz zu sehen. Er stickte den zentralen Platz seiner Heimatstadt Oaxaca mit Kathedrale, Bäumen, Flaneuren und mexikanischer Fahne auf einer ausrangierten Matratze.


Selbst im Richard-Haizmann-Museum fanden sich bei einer der letzten Ausstellungen für Moderne Kunst plötzlich zwei Stickbilder der Künstlerin Andrea Damp. Beide Künstler arbeiten freilich nicht mit dem Kreuzstich, sondern mit einem unregelmäßigen einfachen Fadenstich. Von Andrea Damp weiß ich, dass sie schier verzweifelte an der schweren Arbeit des Stickens und nie wieder zur Nadel greifen wird.Zwischen Kunst und Handarbeit, zwischen Kunst und Kitsch, wird bei uns scheinbar streng unterschieden, obwohl die Grenzen oft fließend sind. Das Ganze wird noch komplizierter, wenn wir zwischen Original und Reproduktion unterscheiden. Natürlich besteht ein Unterschied, ob nach einer Vorlage gestickt wurde oder ob die Vorlage individuell entworfen wurde.Es gibt anspruchsvolle Vorlagen und einfachere Vorlagen.Ein Beispiel für besonders anspruchsvolle Vorlagen finden wir z. B bei den Stickbildern von Hanna Stubbe aus Risum-Lindholm. Sie bezieht die Stickvorlagen vorzugsweise aus einem dänischen Katalog, der in Worpswede vertrieben wird. Die Vorlage für ihr kostbarstes Bild „Erinnerung“ stammt aus einem dänischen Stickkalender aus Kopenhagen. Es erforderte ein extrem hohes Maß an Geduld und Sorgfalt diese Arbeit herzustellen, weil die Feinheit der Halme des Kornfeldes beim Auszählen höchste Konzentration verlangte.

Letztlich sind aber alle Stickbilder ein Original. Sie wurden angefertigt von einer Person, die Stunden und Stunden daran gesessen hat. Wie unterschiedlich und individuell verschieden Stickbilder nach der gleichen Vorlage ausfallen, kann man gut am Beispiel des sitzenden Knaben im roten Samtanzug sehen.

Auf diese Diskussion wollen wir uns mit unserer Ausstellung aber gar nicht einlassen. Wir sehen das Ganze mehr aus ethnologischer Sicht. Wir haben Freude an den Arbeiten, wir sind voller Bewunderung für die ungeheure Arbeit, die in diesen Stickbildern steckt.

Wir haben versucht in der Fülle des Angebots etwas Ordnung zu schaffen und themenbezogene Ecken und Wände eingerichtet: Interieurs, Stillleben, Porträts, Landkarten und Wappen, Höfe, Pferde, Schwäne, Landschaften, Häuser. Dies sind auch die häufigsten Motive, die meist nach vorhandenen Vorlagen gestickt wurden. Nebenbei gibt es natürlich die Ausnahmen z. B. rein grafisch gestaltete Bilder. Beliebt ist auch die Reihung von einzelnen Gegenständen, z. B. Pfeifen, Küchenutensilien oder Pferdezubehör.

 

Etwa die Hälfte dieser Stickbilder stammt aus Dänemark, viele der Vorlagen z. B. aus einem Handarbeitsgeschäft in Tondern, das leider nicht mehr existiert, einige aus Skaerbaek. Auf die dänische Herkunft verweisen ohnehin zahlreiche Arbeiten mit gestickten dänischen Texten.Viele der Stickbilder werden unter Glas aufbewahrt. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sie so vor Staub und Menschen geschützt sind, die die Stickerei gerne mit der Hand anfassen möchten. Wir haben das Glas von einigen Bildern entfernt, weil die Farben durch milchig gewordenes Glas in ihrer ursprünglichen Leuchtkraft nicht zur Geltung kommen.Überwiegend sind es Frauen, die sticken. Es ist eine beruhigende Tätigkeit, die durch das viele Zählen Konzentration erfordert. Aber sie findet offenbar meist im Verborgenen statt. Hobbymalerinnen z. B. stellen ihre Werke häufig auf kleinen regionalen Ausstellungen aus.

 

Eine Stickbilder-Ausstellung ist uns nicht bekannt.

 

Mit einigen der hier ausgestellten Exponate verbindet sich eine besondere Geschichte, sei es durch ihre Hersteller oder sei es durch die Umstände, wie wir zu den Werken gelangt sind.

Bilder von Emil Botte

 

 

Sicher können wir, wie oben erwähnt, davon ausgehen, dass es überwiegend ein Hobby oder eine Leidenschaft von Frauen ist, zu sticken. Aber es gibt Ausnahmen. Eine solche Ausnahme ist der Friseurmeister Emil Botte aus Neukirchen. Emil Bottes Mutter ist früh gestorben. Seine Stiefmutter hielt ihn und seine 8 Geschwister zu jeglicher Hausarbeit an. In dieser kinderreichen Familie war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Kleidung von den Kindern selbst in Ordnung gehalten werden musste. Stopfen, Flicken, Nähen, Stricken und Sticken – das war für ihn von Kindesbeinen an eine Selbstverständlichkeit.

Angefangen, große Bilder zu sticken hat er allerdings erst etwa mit 60 Jahren. Drei große Bilder im Format von jeweils 65 x 105 cm stellte er als Leihgaben für unsere Ausstellung zur Verfügung.

Auf der Rückseite von jedem Bild befindet sich ein Din A4 Bogen, auf dem alle Daten zur Herstellung einschließlich der Kosten penibel aufgezeichnet sind.

Auf einem weiteren Bild von Emil Botte ist der Ortsteil Otzhusum von Neukirchen dargestellt, so wie ihn ein polnischer Kriegsgefangener 1942 in einem Aquarell festgehalten hat. Rechts auf dem Bild ist das Wohnhaus zu sehen, in dem Emil Bottes Frau Marie geboren wurde und aufwuchs. Jürgen Grün übertrug die Fotografie des Aquarells mittels Bildwerfer auf die Stickereivorlage.

Das Bild wurde 1982/83 mit ca. 50.000 Kreuzstichen in 1000 Stunden fertiggestellt.

 

 

An allen Bildern ist Jürgen Grün maßgeblich beteiligt. Er ist Maler von Beruf und malt und zeichnet in seiner Freizeit. Zusammen mit Emil Botte hat er die Stickvorlagen für die Bilder entwickelt und endgültig vorbereitet: Farbgebung, Schatten- und  Lichteinfall und Lichtwechsel, alles musste vor dem Sticken genau festgelegt werden.

Wer die Genauigkeit von Stickvorlagen kennt, weiß was das bedeutet, solche selbst herzustellen. Außerdem ist Jürgen Grün für die sorgfältige Rahmung der Bilder mitverantwortlich. Der bestickte Stramin wird auf einem Stock aufgerollt und dann vorsichtig auf die geleimte Tischlerplatte übertragen. Das allein ist schon eine Kunst für sich.

 

 

Beiderwandarbeit

 Eine besondere Geschichte gibt es zu der Beiderwand-Arbeit, gestickt von Barbara Gottburg aus Rodenäs.
 

 

Das Stickbild erhielt die Pastorin Thurid Pörksen Ende der neunziger Jahre von einer Frau Meyer in Saßnitz. Frau Meyer kam von einer Reise aus Kopenhagen zurück, im Gepäck diese Stickvorlage. Sie begann mittendrin zu sticken und schaffte ein kleines Stück einer liegenden nackten Frau.

 

Dann verließ sie der Mut und sie brachte die angefangene Handarbeit mit Nadel, Wolle und Auszählmusterblättern, 146 x 82 cm groß, ihrer Pastorin. Als Thurid Pörksen erfuhr, dass wir eine Stickbilderausstellung planten, gab sie uns die angefangene Arbeit. Wir wussten, dass Barbara Gottburg eine erfahrene Stickerin ist und fragten sie, ob sie Lust habe, daran weiter zu sticken. Sie übernahm die Arbeit im Dezember 2009. Sie stickte bis jetzt 47 460 Kreuzstiche. Und soweit ist sie bis jetzt gekommen.

 

Auf dem oberen Bildteil ist zu sehen, wie Gottvater Eva aus der Rippe Adams zieht.

Im unteren Teil ist das Motiv der Versuchung Evas im Garten Eden abgebildet. Sie ist umgeben von einer Fülle mystischer Wesen: Schlangen, Einhörner, Hirsche, Pfauen, Schwäne und Vögel, Pflanzen und weiteren detaillierten Ausschmückungen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Geschichte der Beiderwand. Es gibt zwei Erklärungen für das Wort Beiderwand. Einmal wird es erklärt durch „beiderlei Gewand aus Leinen und Wolle“ und zum anderen bedeutet das Wort

so viel wie „beide Wände“ oder „beidseitig“. Ein Wandteppich also, der von beiden Seiten nutzbar ist, wo auf beiden Seiten etwas zu sehen ist. Den ältesten Nachweis findet man in Ratsverfügungen der Stadt Soest aus den Jahren 1300 und 1371.

Beiderwand war ursprünglich ein Gewebe für ärmere Volksschichten und wurde für Trachten, Schürzen, Röcke, Vorhänge und Kissen verwandt. Beiderwand-Vorhänge von Alkoven sind vor allem in Süd-Jütland und Schleswig Holstein gebräuchlich.

Alkovenvorhang in Kreuzstickerei nach einem „Beiderwand“ Motiv auf der Titelseite von „Slesvigland“ 11. Jahrgang Nr. 1 1990

 

 

Stickcollage

Dieses auf Seide gestickte Bild zeigt in der Mitte das Foto des Matrosen der Kaiserlichen Kriegsmarine. Er heißt Albert Techlin und stammte aus Nipmerow von der Insel Rügen. Er war eines von 20 Kindern.
Das Stickbild erinnert an seine Dienstzeit in Fernost. Die Jahreszahl 1901 in Verbindung mit China deutet darauf hin, dass er dort für Befriedungsaktionen oder als Besatzung nach dem Boxeraufstand (1900) eingesetzt worden sein könnte. 1903 war er vermutlich zu einem Flottenbesuch in Japan. Sein auf dem Bild dargestelltes kleines Kriegsschiff könnte in der damaligen deutschen Kolonie Tsingtau stationiert gewesen sein.
 

 

Gerda Klüwer

 Einen Tag nach der Ausstellungseröffnung bekamen wir 16 großformatige kostbare Stickbilder von Birgit Carlsen aus Ladelund, der Tochter von Gerda Klüwer.
 Gerda Klüwer, geboren 1919 im Erzgebirge, studierte in Abendkursen an der Höheren Fachschule für Werken und Stickerei in Chemnitz. In Frankfurt (Oder) besuchte sie die Lehrerbildungsanstalt, das Praktikum machte sie in Schleswig-Holstein. 1943 kam sie nach Nordfriesland und unterrichtete in allen Fächern sechs Jahre lang an verschiedenen Schulen in Westerland, Morsum und Emmelsbüll. An der Niebüller Realschule gab sie Unterricht in textilem Werken. In ihrer Niebüller Zeit wollte sie einen Bildband mit den von ihren Schülern selbst entworfenen Stick-und Knüpfarbeiten herausgeben. Zuletzt unterrichtete sie dieses Fach in Emmelsbüll bis 1981.

 

 

Warum sie diesen „Stick-Tick“ habe, erklärte sie sich damit, dass ihre Verwandten Textilbetriebe besaßen und sie als kaufmännische Angestellte in einem solchen Betrieb beschäftigt war.Anfangs stickte und knüpfte sie nach eigenen Entwürfen, doch dann meinte sie, ihr Talent reiche nicht an die großen Meister der Malerei heran.
Sie arbeitete nur mit Naturfasern, weil diese materialgerechter und vor allem haltbarer seien, meistens nach Vorgaben von der Firma Junghans, Aachen oder nach Auszählmustern von Burda, oft bis nach Mitternacht.Am meisten reizte sie der Entstehungsprozeß. Es sei doch spannender, zu verfolgen, wie ein Produkt wachse, als das fertige Resultat anzuschauen.
Die Meisterstickerin Gerda Klüwer starb 2004 in Emmelsbüll.

 

 

Sofa

Extra für die geplante Stickbilderausstellung kaufte Hanno Nord 2009 in Grasten dieses Sofa. Auf dem Sofa hing ein Din A 4 Zettel auf dänisch, den Thurid Pörksen für uns auf deutsch übersetzte:

Die Stickerei auf der Bank (Stil: Skönvirke) wird Anna Elisabeth Sarauw, geb. Ebeling zugeschrieben; Anna Sarauw wurde am 14.11.1839 in Serampoor, Ostindien geboren, damals eine dänische Kolonie. Sie ist u.a. in Westindien aufgewachsen, wo sie ihren künftigen Mann, Carl H. Sarauw, cand. jur., kennen lernte. Er wurde später Gutsverwalter der Akademie Sorö.

In Sorö forderte der Maler Constantin-Hansen Anna Sarauw auf, zusammen mit den Töchtern des Künstlers und Bindesböll eine Werkstatt für Stickerei in Kopenhagen zu eröffnen. Sie lieferte in großem Stil Zeichnungen und Stickereien.

Die Werkstatt wurde 1873 in der Köbmagergade unter dem Namen „Boden“ (= Laden) eröffnet und war der Vorläufer des später so bekannten Stickerei-Geschäftes Clara Waever in der Östergade, KBH, das einen großen Teil ihrer Zeichnungen aufkaufte, bzw. auf Auktionen ersteigerte, andere erwarb das Kunstindustriemuseum, nachdem „Boden“ (der Laden) Anfang des 2o. Jahrhunderts seine Tore geschlossen hatte.

Anna Sarauw war bienenfleißig und versah ihre ganze Familie mit sehr willkommenen Stickereien, die sie mit großer Kunstfertigkeit herstellte. Die Familienmitglieder lebten weit verstreut, u. a. in Schleswig, Visby, Lügumkloster und Augusgtenborg, blieben aber immer im Kontakt durch Besuche und emsiges Briefeschreiben. Auf diese Weise ist diese Stickerei wohl bei ihrem Schwager, Dr. Joh. Sarauw, in Augustenborg gelandet. Die letzte Sarauw hier in dieser Gegend, Dr. phil.Julie Sarauw, verstarb 1963.

Die Stickerei ist auf schwarzer Wolle mit Wolle, Seidenfäden und Golddraht gearbeitet, ursprünglich als ein Stück sollte es eine Tischdecke sein, wie sie zum Ende des 19.Jahrhunderts  gern verwendet wurden; oft legte man solche Decken  auch dekorativ auf einen Flügel.                                G.S.-Hansen, (Angehöriger)

PS. Diese Stickerei entdeckte der inzwischen verstorbene Kaufmann und Antiquitätenhändler Eriksen aus Sonderburg. Er und seine Frau fanden das Tuch gut geeignet, um es zu halbieren und damit ihr altes Kaufmanns-Kontor-Sofa zu beziehen. (Es eignet sich eigentlich mehr zur Dekoration und weniger um es als Sitzgelegenheit zur verschleißen.)

 

 

 

Gestickte Hosenträger aus Bayern

Wie ich ein Paar handgestickte Trachtenhosenträger bekommen habe

Wenn ein Mädchen im Pfaffenwinkel, im Werdenfelser oder im Tölzer Land einen Burschen sehr lieb hat und ihm dies zeigen will, stickt sie ihm Hosenträger zur Lederhosen. Die nehmen sich prächtig aus. Besonders zum weißen Hemd hebt sich das Schwarz der Träger mit den blauen Enzianen, dem weißen Edelweiß und rotem Almrausch wunderbar ab. Manchmal sind auf dem Mittelteil auch noch die Anfangsbuchstaben des Eigentümers solcher Tracht zu sehen. Die Beziehung zwischen dem Mädchen und dem Burschen muss aber schon von Dauer sein, denn an handgestickten Hosenträgern arbeitet auch eine sehr fleißige Schöne leicht 200 Stunden dahin, und wenn sie noch anderes zu tun hat - und wer hätte das nicht - muss die Beziehung schon fast ein kleines Jahr andauern, bis die Hosenträger fertig sind. Dann soll die Beziehung ja eigentlich auch eine Zeit lang fortdauern, weil sich der ganze Aufwand sonst nicht lohnen würde. Das und viele andere durchaus wissenswerte Einzelheiten über handgestickte Hosenträger habe ich nicht gewusst, bis ich selbst stolzer Besitzer solcher Träger geworden bin.

Wie das zugegangen ist, obwohl ich doch, wie nicht nur mir, sondern im Pfaffenwinkel auch all meinen Freunden bekannt ist, glücklich verheiratet bin und eine Frau habe, die zwar in vielen Fertigkeiten bewandert ist, wozu aber das Sticken von Trachtenhosenträgern gewiss nicht gehört, ist ein wenig merkwürdig. Die Geschichte ist nicht sehr lang und schneller erzählt, als Hosenträger gestickt werden können.

Eines Tages im frühen Frühling hat die Hausnerin mich gefragt, ob ich wohl jemand wisse, der ihr Hirschgrandeln verkaufen könne. Sie wollte ihrer Tochter Doris zu einem runden Geburtstag einen Grandelschmuck machen lassen, weil sie, die Tochter, schon Grandelschmuckohrringe habe, die sie besonders gern möge. Grandeln sind, für Nichtjäger sei es erklärt, zwei rudimentäre Eckzähne im Oberkiefer von männlichem und weiblichem Rotwild. Je kleiner und brauner sie sind, desto wertvoller sind sie. Da habe ich mich daran erinnert, dass ich im Laufe meines reichen Jägerlebens auch ein paar Stück Rotwild mit schönen Grandeln geschossen habe, die ich gerne einem vernünftigen Zweck zuführen wollte. Ein Halsschmuck für die stets freundliche Doris, die mir dazu schon ein paar gute Schwammerlplätze verraten hat und nicht immer ein fröhliches Schicksal in ihrem Leben hatte, wäre so ein vernünftiger Zweck. Darum habe ich mich gerne von diesem meinem Schatz trennen können. Die Hausnerin hat gestrahlt, und die Doris ist vor Freude und Dankbarkeit gleich ganz rot angelaufen, als ich vor beiden Frauen die Grandeln auf ein dunkelgrünes Filztuch geschüttet, sie ihnen gezeigt und dann geschenkt habe.

Unsere Bauern im Pfaffenwinkel haben Schwierigkeiten, sich wortreich zu bedanken oder ihrer Freude beredt Ausdruck zu verleihen. Wer das nicht weiß, ist leicht gekränkt, wenn er für eine dankenswerte Tat keinen oder - wie er meint - nur geringen Dank erntet. So war es diesmal auch. In die etwas peinliche Stille, die nach der Übergabe der Grandeln mangels ausdrücklichen Dankeschöns entstand, fragte die errötende Doris nun plötzlich: "Möchtens vielleicht amal für Ihre Lederhosn a paar richtige Hosnträger statt dem Maschinenglump, das Sie da oham?"

Ich nickte, völlig ahnungslos, welche Lawine ich damit lostreten würde. Nicht etwa von wegen einer unerlaubten oder unziemlichen Beziehung zur Doris. Die verbot sich aus Alters- und auch aus anderen Gründen. Aber eine Lawine von Arbeit wurde im April des Jahres in Marsch gesetzt, und ich hatte, ich muss es noch einmal sagen, keine Ahnung, was ich da angerichtet hatte.

 

Zunächst mussten die Muster für die Träger festgelegt werden. Blumen wurden a priori verworfen. „Die hat a jeder“. Tiere, jagdbare Tiere, die mir nahe standen, sollten es daher sein, Rehbock und Has vor allem. Auf Betreiben der Hausnerin, die an den Beratungen sachverständig teilnahm, sollte zu den Säugetieren noch ein jagdbarer Vogel Abwechslung ins Design der Träger bringen. Nachdem der Fasan wegen seines langen Stoßes schlecht machbar erschien und Taube und Rebhuhn als unansehnlich verworfen wurden, einigte man sich auf einen Auerhahn. Ich habe zwar noch keinen geschossen, aber viele verhört und beobachtet, als ich noch jünger war. Im Bruststück des Hosenträgers hätte ich am liebsten nur meine Initialen D.G. gehabt, aber das duldete das Designerpaar auf der anderen Seite durchaus nicht. Es müsse ein Hirsch her, schon zur Erinnerung an die Grandeln, und zwar ein Hubertushirsch zum Zeichen christlicher Gesinnung, also mit einem goldenen Kreuz zwischen dem Geweih. Das gefiel mir eigentlich gar nicht so gut, weil ich fürchtete, es würde kitschig und überladen wirken. Der geballten Wucht der hierfür von beiden Damen vorgebrachten Argumente hatte ich aber keine oder nicht genug zugkräftige Argumente entgegenzusetzen und ergab mich schließlich. Die Designersitzung endete also mit einem klaren 2:0 zugunsten der Familie Hausner, ein Torverhältnis, das auch auf alle zukünftigen Sitzungen  zutreffen sollte.

Ich wusste nicht, dass nun die eigentliche Arbeit der Hausners erst begann. Es mussten nämlich  geeignete Vorlagen für die Tiere gefunden, zeichnerisch umgesetzt, auf Millimeterpapier übertragen, die einzelnen Stiche ausgezählt und dann erst auf Stramin gestickt werden. Vorher mussten die Farbtöne in Einklang mit den Brauntönen der Lederhose ausgewählt werden. Da es keine geeigneten Tiervorlagen in den Handarbeitsheften gab, bedurfte es vor dem Beginn der Stickerei vieler Sitzungen, Zeichnungen und Besprechungen, nicht zuletzt auch mit der sachkundigen Frau Angela Schumacher vom einschlägigen Handarbeitsgeschäft in Penzberg, bis diese Vorarbeit endlich geleistet war. Besonders eine brauchbare Vorlage für den Hasen bereitete fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Ich lieferte den Hausners mehrere Exemplare meiner Jagdzeitschriften „Wild und Hund“ und „Die Pirsch“, die auf passende Fotos oder verwertbare Zeichnungen durchforstet wurden. Anschließend dienten sie dem achtjährigen Seppi, Sohn der Doris, als willkommene Lektüre. Wie viel andere Personen in den Auslese- und Aussuchprozess eingespannt worden sind, weiß ich immer noch nicht. Immer wieder aber hat die Hausnerin auf Fragen erklärt, dass sie noch dahin und dorthin fahren und da oder dort noch Ideen oder Zeichnungen abholen müsse. Auch der Computer hat hier irgendetwas zu tun bekommen. Wer ihn bediente, wie sachkundig der war - ich weiß es nicht. Was ich, wie vieles andere gleichfalls nicht wusste, war, dass die Hausnerin und ihre Tochter aus Ehrgeiz nur auf ganz feinem Stramin stickten, was die fertige Arbeit zwar verschönern sollte, aber erheblich verlangsamte. Bei meinen Besuchen fand ich nun Mutter und Tochter häufig stickend in der Küche, konnte aber deutlich sichtbare Fortschritte bei den Trägern kaum feststellen.

 

So war es fast ein Wunder, dass schon sechs Monate nach der Grandelübergabe die fast fertigen Träger, bei denen auch berücksichtigt war, dass die Tiere sowohl auf der Brust als auch auf dem Rücken aufrecht gehen mussten, nun mit einer „einfachen“ handgedrehten Kordel eingefasst und zum Säckler gebracht werden konnten. Der spannte das ganze Kunstwerk, dämpfte es, nähte es auf ein Leinenband und dann auf Schaflederträger. Er ist einer der Letzten seiner Zunft im Bayrischen Oberland in der Nähe von Wolfratshausen. Allein der Besuch bei diesem Meister, der sein Handwerk betreibt wie vor 4o Jahren, während seine Kinder im Vorraum der Werkstatt ein sehr großes zweistöckiges Ladengeschäft mit bayrischen Männer- und Frauentrachten sowie  Zubehör vom Feinsten  umfunktioniert haben, wäre eine eigene Geschichte wert. Ich musste dort persönlich zugegen sein, weil die Hosenträger selbstverständlich auch noch einmal vor der endgültigen Fertigstellung anprobiert werden mussten, damit die Träger ihre eigentliche Funktion, die Hose zu tragen, auch ausführen können.

 

 

Bis zu dieser Stunde hatte die kundige Doris für Vormaterial, Material und die Tätigkeit des Säcklers, vielleicht auch anderer Personen, die mir nicht bekannt sind, über 312 DM ausgegeben. Die Belege für die einzelnen Ausgaben hat sie aufgehoben, die einzelnen Beträge auf der herausgerissenen Seite eines Schulheftes vom Seppi fein säuberlich notiert, addiert und mir präsentiert. Ich habe die Summe natürlich auch gleich bar bezahlt, nicht ohne dem Seppi etwas für die Sparbüchse draufzulegen. Die Arbeitsstunden, die sie und ihre Mutter auf die Anfertigung der Hosenträger verwendet haben, haben die Damen nicht gezählt. Meine Frau hat sie bei ihrer Tätigkeit aber wenigstens fotografiert und ihnen die Bilder geschenkt.

Mit Triumph in der Stimme meldete die Hausnerin Ende August telefonisch die endgültige Fertigstellung des Kunstwerkes. Da ließen wir alles stehen und liegen und fuhren gleich hinüber zum Tradfranz, um das Wunderwerk anzuprobieren.  Die Doris hat es persönlich an die Lederhose geknöpft. Nun spannen sich auf braunem Grund - mit vierfarbiger Kordel eingefasst - auf jeder Trägerseite fünf Hasen, fünf Rehböcke und fünf Auerhähne, die alle mit insgesamt 15 grünen Eichenzweigen mit zwei braunen Eicheln daran voneinander abgegrenzt sind. Auf meiner Brust prangt ein stolzer Sechsender mit einem goldenen Kreuz auf dem Haupt und neben dem Hirschhaupt sind die Anfangsbuchstaben meines Namens ebenfalls in Gold eingestickt. Dieses Brustschild ist 10 cm breit und 25 cm lang!

Niemand im Pfaffenwinkel wird je solche Hosenträger sein eigen nennen. Da hatte ich auch Mühe mit dem Bedanken. Schade, dass gerade kein hohes Fest ist, bei dem man die Hosenträger anlegen und herzeigen kann. Und dass es bis zum Oktoberfest noch drei Wochen sind. Aber dann!

Wie ich den Hausners Mühe und Arbeit vergelten soll, weiß ich noch nicht, aber ich werde und muss mir da schon etwas Besonderes einfallen lassen.

In letzter Zeit spricht die Doris öfter von einem Heiratstermin im nächsten Jahr, und den dazu passenden Mann hat sie auch schon gefunden. Vielleicht ergibt sich zur Hochzeit eine Gelegenheit, nachdrücklich zu danken. Und wenn wir, woran eigentlich kein Zweifel besteht, eingeladen werden, ergibt sich ganz sicher die Gelegenheit, die Hosenträger wieder einem sachverständigen Publikum vorzuführen.

Auszug aus dem Buch „Leben im Pfaffenwinkel“(Buchendorfer Verlag, 2002) von Johann Daniel Gerstein

 

 

 

Plakat für das Oktoberfest in München 2011

Im Februar 2011 wurde in München das von einer Jury ausgewählte Plakat für das Oktoberfest 2011 enthüllt. Wolfgang Hans Haas von der Designschule München erhält für seinen Siegerentwurf 2 500 € .Zu sehen ist ein tanzendes Trachtenpaar, im Hintergrund leuchten das Riesenrad und das Kettenkarussell. Eingestickt sind ferner die Brezn, Bierkrüge und Blumen. Das Plakat wird in einer Auflage von 10 000 gedruckt und weltweit zu sehen sein.

Das Publikum war überrascht über die Harmlosigkeit es Plakates. Die Süddeutsche Zeitung meinte: „Für den ernsthaften Betrachter ist das Plakat eine Herausforderung. Ist das Ganze etwa Kunst oder Ironie, vielleicht sogar eine Provokation, die Überwindung des Kitsches durch den Kitsch? Geht es dem Urheber um eine tiefer gestickte Botschaft, etwa um die Inszenierung einer heilen Welt, wie sie nur noch auf der Historischen Wiesn zu finden ist?“

 

 

Wie schon zwei unserer vergangenen Ausstellungen „Teddy-Barbie-Heidi & Co“ (2007) und „Mein Name ist Hase“ (2009) ist auch „Gestickte Bilder“ als wachsende Ausstellung konzipiert. Besucher sind aufgefordert, mit ihren eigenen Stickbildern als Schenkung oder Leihgabe die Ausstellung zu erweitern.

Es gibt zwei Kataloge, einen Verkaufskatalog mit den Angeboten der Ausstellung und einen Katalog, der die Dokumentation der Leihgaben enthält. Dieser Leihgabenkatalog wird dann erst am Ende der Ausstellung fertiggestellt.

Wir hatten große Freude beim Sammeln, Anschauen und Hängen der gestickten Kostbarkeiten. Wir wünschen allen Besuchern dieser Ausstellung die gleiche große Freude beim Betrachten.

Elke Nord und Barbara Schmidt-Tychsen

Februar 2011

 


 

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Mein Name ist Hase

Hasenausstellung

vom 5. April bis 3. Mai 2009

Wir zeigen die Hasensammlung von Anemone Gerstein aus München und ca. 400 Hasen aus eigenem Bestand
Leihgaben, Dauerleihgaben und Schenkungen weiterer Hasen werden gerne angenommen und dokumentiert.
Karl Detlef Sönnichsen erzählt: "Das eine oder andere über Hasen, nicht nur in Rodenäs", am Donnerstag, den 9. April
Erika Petersen liest Hasengeschichten "op platt", am 18. April

 

 

 

Tausende und Abertausende Männer und Frauen nennen ihre Partner Hase, Häschen, Hasi u.ä. Das ist nicht unbedingt originell. Aber im Falle unserer Sammlerin, Anemone Gerstein, macht ihr Spitzname "Hase" Sinn. Sie wurde 1980 auf einer Treibjagd von einem Jäger in die Wade geschossen. Die Wunde verheilte, der Name blieb. Sie machte aus der Not eine Tugend und sammelt seitdem Hasen.

Hasen aus aller Welt, aus Deutschland, England, Italien, Russland, Indien und Taiwan, aus Japan und China, aus Mexico und Guatemala, um nur einige Länder zu nennen. Große und kleine Hasen aus unterschiedlichsten Materialien, z. B. aus Holz, Zinn, Jade, Silber, Bronze und Halbedelsteinen; Hasen aus bekannten Porzellanmanufakturen; Hasen als Briefbeschwerer, Serviettenringe, Messerbänkchen, Petschaften und Handschmeichler. Diese Sammlung von Anemone Gerstein ist der kostbare Grundstock unserer Ausstellung "Mein Name ist Hase".

 

Bei dem Stichwort Hase fällt fast jedem eine Geschichte aus seinem Leben ein, in der ein Hase eine mehr oder weniger denkwürdige Rolle spielt. Menschen erinnern sich an frühe Hasengedichte - z. B. "Häschen in der Grube, saß und schlief...", Hasenlieder - z. B. "Es war einmal ein Hase, der hieß Augustin und war unglaublich schnell..." oder den Sängerkrieg der Heidehasen" und natürlich Hasengeschichten.  Über die Blamage des Hasen im Märchen vom Hasen und Igel hat fast jeder schon mal gelacht. Viele erinnern sich aber auch an die Geschichte aus dem Struwwelpeter von dem pfiffigen Hasen, der dem Jäger das Gewehr abluchst: "Das Häslein sitzt im Blätterhaus und lacht den wilden Jäger aus!" Die Häschenschule aus dem Jahre 1924 ist bis heute ein Bilderbuchbestseller, obwohl oder weil die Geschichte so gar nicht in unsere Zeit  und schon mal gar nicht in unser heutiges Schulsystem passt. Menschen, von denen wir das gar nicht erwartet hätten, haben sofort einen Häschenwitz auf Lager. Fast jeder hatte mal einen geliebten Kuschelhasen. Am Osterhasen kommt eh niemand vorbei. Eine Abbildung des Dürer Hasen kennen die meisten, mindestens aus einem Lesebuch der Schulzeit. In manchen Familien wird zu Ostern die Hasenpuddingform hervorgekramt. Falscher Hase ist ein beliebtes Gericht usw. usw.

 

Und dann hörten wir die merkwürdigsten Geschichten von Hasen, z. B. von dem Hasen, der schon seit 20 Jahren als Türstopper zum Badezimmer dient, damit die Katze das Katzenklo erreicht, von dem Schokoladenhasen, der Ostern nicht gegessen, dem dann Weihnachten einfach eine Nikolausmütze aufgesetzt wurde oder von dem pensionierten Hasen, der die letzten 20 Jahre als Assistent einer Schulpsychologin gearbeitet hat.

 

 

Die Ausstellung ist nach dem Prinzip einer wachsenden Ausstellung konzipiert. Den Grundstock bildet die kostbare Hasensammlung von Anemone Gerstein. Erweitert wird sie durch Hasen aus eigenem Bestand sowie Schenkungen, Leihgaben und Dauerleihgaben der regionalen Bevölkerung. Der Titel "Mein Name ist Hase" flog uns irgendwann zu. Seit etwa einem Jahr entwickelten  wir zunehmend einen entschiedenen Hasenblick, entdeckten sie auf Flohmärkten, bei  Verwandten, in Büchern, Zeitungen etc. Wir lernten viel dazu und auch unbekannte Hasen kennen. Von einem Duracellhasen z. B. hatten wir noch nie gehört.

 

 

Für die, die es nicht wissen: Der Duracellhase ist ein bekannter Werbeträger und das Maskottchen der Firma Duracell, die Batterien herstellt. In den Werbespots beweist der Duracellhase die Langlebigkeit der Batterien, indem er unermüdlich trommelt. Sein erster Auftritt 1973. Gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung konnten 2 Exemplare bei e-bay ersteigert werden. Begeistert haben uns die abwechslungsreichen und unterschiedlichen Hasenabbildungen aus Bilder- und Kinderbüchern, aus Lieder-, Fabel- und Märchensammlungen, aus alten Zeitschriften und Büchern. Wir haben Hasen in Büchern entdeckt, in denen man es eigentlich gar nicht erwarten konnte. Alle wurden fotografiert. In einer Dokumentation werden diese Bilder mit bibliographischen Angaben zusammengestellt. Diese Dokumentation kann zum Preis von 10 € bei uns erworben werden.

 

 

Außerdem läuft eine kleine Diashow, auf der diese Abbildungen in Farbe ohne Beschriftung angesehen und erraten werden können.  Alle Leihgaben und Schenkungen werden in einer weiteren Dokumentation zusammengestellt. auch diese zum Preis von 10 €. Wir bedanken uns bei Uwe Haupenthal, dem Custos des Richard Haizmann Museums, der uns die Vitrinen zur Verfügung gestellt hat, bei Karen de Nicolo, die uns sehr kreativ beim Aufbau geholfen hat, bei Hanno Nord, der für alle möglichen Tätigkeiten immer bereitwillig zur Verfügung stand und uns vor allem zusammen mit Frank Groneberg beim Aufsetzen der Glashauben auf die Sockel geholfen hat, bei  Helga Engel und Karen de Nicolo, die sich um die Bewirtung der Vernissage-Besucher gekümmert haben und bei Thees Schmidt-Tychsen, der mehrere Transporte für uns durchführte. Vor allem aber holte er die Ausstellung aus Hessen, wo er sich mit Anemone Gerstein auf halber Strecke zwischen München und Niebüll getroffen hat.

 

 

 

Eine beruhigende Meldung zum Schluss;

Hasen-Häufung

Mindestens 4 Millionen Feldhasen hoppeln derzeit durch Deutschland. Damit ist der Bestand stabil, ergab die Bilanz einer Zählung der vergangenen sieben Jahre vom Deutschen Jagdschutzverband. Im vergangenen Herbst hüpften auf einem Quadratkilometer im Schnitt 14 Exemplare des Lepus europaeus - mit 29 hoppeln die meisten in NRW und Niedersachsen. (taz, 31.3.09)

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Teddy-Barbie-Heidi & Co

Ausstellung

vom 8. November - 31. Dezember 2007

Wir sind keine Sammlerinnen im klassischen Sinne, aber wir können schlecht wegwerfen. Wir heben alles auf. Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, Puppen, Teddys, Puppenstuben, Kaufmannsläden, Spiele und Spielzeug - solche Kostbarkeiten, die überlebt haben, wurden eisern bei den unzähligen Umzügen unseres Lebens mitgeschleppt.

 

 

Von den Spielsachen unserer Kinder retteten wir, nachdem diese längst aus dem Haus waren, entsprechende Lieblingsstücke. Nach verlorgengegangenen Büchern forschten wir gelegentlich bei e-bay oder in Antiqauariaten, entdeckten auf Flohmärkten Habseligkeiten, die uns an unsere Kindheit und die unserer Kinder erinnerten.

 

 

So entstand eine unsystematische "Sammlung", die den Grundstock für unsere Ausstellung "Teddy-Barbie-Heidi & Co" bildete. Zu den ersten Besuchern unserer Ausstellung zählte Thees. Wir fragten ihn, wie er die Ausstellung fände. "Gut", meinte er. "Und warum?" "Vor allem finde ich es gut, dass man nicht so recht weiß, was das Ganze soll. So wie kleine Kinder.  'Guck mal, was ich so alles hab!' Das hat so was Unbekümmertes, Fröhliches." Damit hatte er es auf den Punkt gebracht. Wir ließen uns beim Aufbau der Ausstellung von der Freude und dem Spaß an den Dingen leiten.

 

 

 

Das Konzept einer wachsenden Ausstellung hat sich dann ganz von alleine durch die Besucher ergeben. Es kamen knapp 400 Besucher. Mit so einem Erfolg hatten wir nicht gerechnet. Die Ausstellung vergrößerte sich mit jedem Ausstellungstag. Ausgelöst durch persönliche Erinnerungen an die Kindheit - überwiegend positive, aber auch wehnmütige und traurige - kramten die Besucher die Erinnerungsstücke aus: vergessene Puppenstuben und Puppenmöbel vom Dachboden, ramponierte Teddys aus dunklen Kommodenschubladen, verlassene Puppen im Schrank, verrostete Dampfmaschinen nebst Zubehör, verstaubte Spiele. Es nahm kein Ende. Jahrelang hatten vergessene Dinge unerkannt und nutzlos auf dem Boden oder sonstwo rumgegammelt. Jetzt erhielten sie plötzlich eine ungeahnte Wertsteigerung.

 

 

Als weiteren Aspekt der Ausstellung entwickelte sich eine ganz besondere Kommunikation der Besucher untereinander. Zu vielen Fundstücken wurden abenteuerliche Geschichten erzählt. Töchter kamen mit ihren Müttern, Väter mit ihren Söhnen. Sie erfuhren anhand der gezeigten Dinge noch nie erzählte Geschichten. Man unterhielt sich miteinander, auch wenn man sich nicht kannte, über Vergangenheit und Gegenwart.

 

 

 

 

 

Dank eines großen Zeitungsartikels kamen längst nicht mehr  nur Rodenäser, sondern Besucher aus ganz Nordfriesland und den Inseln. So ist die Ausstellung, ohne dass wir es vorher ahnten oder gar planten, ein gemeinsames Projekt der Rodenäser und der auswärtigen Besucher geworden.

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